Die Bahn spart (beim Kauf eines Wörterbuchs)
Die Bahn muss sparen. Nicht, um die Preise senken zu können (das wäre utopisch), sondern um die Bilanz für den Börsengang zu polieren. Die Anschaffung eines Wörterbuchs (Kosten: 20 bis 25 €) gehört da vielleicht nicht unbedingt zu den Prioritäten. Man könnte diesen Hinweis für kleinliche Besserwisserei halten, wäre der Sprachgebrauch nicht symptomatisch für eine Verunsicherung, von der viele deutsche Muttersprachler unter dem Einfluss des Englischen befallen sind: Zwar haben wir in der Schule gelernt, dass zusammengesetzte Substantive auch zusammengeschrieben werden. Wie geht man aber mit Wörtern um, die aus einem englischen und einem deutschen Teil zusammengesetzt sind? Das Englische kennt das Prinzip der Zusammenschreibung nicht in dieser Konsequenz. Entgegen anderslautender Gerüchte ist es auch nicht falsch, getrennt geschriebene englische Ausdrücke wie detective novel im Deutschen zu verwenden, vorausgesetzt, sie werden als Zitate aufgefasst. Die Kursivsetzung oder der Gebrauch von Anführungszeichen ist in diesem Fall zwar sinnvoll, aber nicht zwingend notwendig. Aber vielleicht will die privatisierte Bahn mit ihrem subtilen Gebrauch denglischer Rechtschreibung auch nur ihre Unabhängigkeit vom Vater Staat unter Beweis stellen. dm
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