Spanische Geschlechterk(r)ämpfeDiskussionen um geschlechtergerechte Sprech- und Schreibweisen gibt es nicht nur im deutschen Sprachraum. Kürzlich wütete in Spanien die Königliche Sprachakademie (RAE) gegen Anleitungen für einen nichtsexistischen Gebrauch des Spanischen. Das berichtet hier die taz. Die Argumente der RAE sind die gleichen, die auch hierzulande gegen das Splitten von Berufsbezeichnungen und Ähnlichem genannt werden, insbesondere die These: Der (grammatikalisch) männliche Plural beinhalte beide Geschlechter. Sprache kann so funktionieren, weil im Spanischen wie im Deutschen grammatikalisches und natürliches Geschlecht nicht identisch sind. Gleichwohl zeigt allein schon die Existenz der Anleitungen für einen nichtsexistischen Gebrauch, dass weite Bevölkerungskreise mit dem (zumal unreflektierten) Gebrauch des „generischen Maskulinums“ nicht einverstanden sind. Auch ist es sicher kein Zufall, dass die linguistische „Neutralisierung“ historisch in den weitaus meisten Fällen hin zur maskulinen Seite erfolgt (ein seltenes Gegenbeispiel im Deutschen ist „Geschwister“). Ich möchte an dieser Stelle aufgrund der Komplexität des Themas (und wegen mäßiger Spanischkenntnisse) keine Stellung beziehen, wer in der iberischen Debatte Recht hat. Doch die im Artikel genannte Anekdote ist eine nähere Betrachtung wert: Mädchen fühlten sich nicht angesprochen, wenn von niños die Rede ist, weil sie von ihrer Lehrerin das gesplittete niñas y niños gewohnt sind. Diese Geschichte belegt zwar, dass es nicht egal ist, ob man so oder so spricht, vor allem, wenn man konsequent ist. Aber belegt sie auch, wie die Vorsitzende der Gleichberechtigungskommission der Justizverwaltung offenbar meint, dass niñas y niños die „richtige“, die einzig neutrale Form ist? Das darf bezweifelt werden, und zwar auch, wenn man eigentlich fürs Splitten ist. Denn wenn die Kinder (im Deutschen besteht hier das Gender-Problem ausnahmsweise nicht) permanent gesplittet angesprochen werden, haben sie nun mal keinen Anlass, eine der Einzelformen als neutralisierende wahrzunehmen – und zwar egal, ob hin zur grammatikalisch männlichen (niños = Kinder) oder weiblichen (niñas = Kinder) Seite hin neutralisiert wird. Letzteres ist sprachstrukturell leicht möglich, es wäre hier auch nicht länger; nur historisch sind die Spanier das ebenso wenig gewohnt wie die Deutschen. Entsprechend würde es noch mehr Missverständnisse produzieren als die tradierte Form (niños = Kinder). „Spanier“ ist übrigens ein generisches Maskulinum im Deutschen, „Deutsche“ nicht. Wer das als diskriminierend empfindet, möge im vorigen Satz „Spanier“ durch „Spanierinnen und Spanier“ ersetzen. Denn ein Analogon zu politisch korrekten Ausdrücken wie „Studierende“ fällt mir für die Bevölkerung Spaniens nicht ein. dml
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