Deutsch als Schrumpfsprache


Es hat wohl niemanden gewundert, dass  bei den Olympischen Spielen in Peking China und die USA mehr Medaillen gewannen als Deutschland. Dass jedoch auch die Sportler aus Großbritannien mehr Edelmetall einheimsten als die Teilnehmer aus der Bundesrepublik, ist ungewohnt. Folgt man den Prognosen der OECD über die Bevölkerungsentwicklung in den Ländern Europas, gibt es Grund zur Annahme, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Natürlich spielen neben der Bevölkerungszahl viele andere Faktoren eine Rolle für das Erscheinungsbild eines Landes bei internationalen Wettbewerben (Entwicklungsgrad, Einkommen, Sportförderung, von Doping ganz zu schweigen). Doch liegt auf der Hand, dass Länder mit schrumpfender Bevölkerungszahl, verknüpft mit einem sinkenden Anteil jüngerer Menschen an der Gesamtbevölkerung, in ihrer Präsenz auf dem internationalen Parkett nachlassen. Angesichts der deutschen Geschichte mag man dies vielleicht auch viele Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch begrüßen – der deutsche Größenwahn in den finsteren Kapiteln basierte nicht zuletzt auch auf der vagen Vorstellung, irgendwie wichtiger zu sein als die kleineren Nachbarn.  

Gleichzeitig sollten sich an Sprache und Sprachenpolitik Interessierten allmählich an einen einfachen Gedanken gewöhnen: Es ist keine für alle Zeiten festgeschriebene Tatsache, dass Deutsch die größte Sprache innerhalb der EU sein muss. Sinkt die Zahl der Muttersprachler, und zwar absolut und im Verhältnis zu anderen Sprachgemeinschaften, verringert sich bei gleich bleibender Wirtschaftskraft pro Person natürlich auch die ökonomische Bedeutung einer Sprache. Somit schwächt sich die Anziehungskraft als Zweitsprache und die Argumentationsbasis für diejenigen, die Deutsch als dritte Arbeitssprache der EU gleichrangig neben Englisch und Französisch verankern wollen. So langsam, wie die Mühlen der EU-Bürokratie mahlen, ist es nicht ausgeschlossen, dass Deutsch diesen Rang erreicht, nachdem das Hauptargument – „Wir sind die meisten“ – hinfällig geworden ist. Übrigens handelt es sich hierbei nicht nur um ein Spielchen um Eitelkeiten und Machtdemonstrationen. Für den Wirtschaftszweig, der sich mit Deutsch als Fremdsprache befasst, kann diese Entwicklung spürbare Auswirkungen haben.

 

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