Business-Denglisch: der Teilrückzug

Die vdi nachrichten berichteten:
„Business-Denglish ist auf dem Rückmarsch. Immer mehr Vorstände vermeiden es, in ihren Reden englische Begriffe zu verwenden. In Zeiten der Finanzkrise, aber nicht nur deshalb, gelte Englisch als ‚Zeichen des Versagens’, meint Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund. Vereinzelt wird noch über ‚Quick Wins’ geredet, oder der ‚Change’ beschworen.“         

Diese Tendenz überrascht nicht. Wer redet schon gern von „shareholder value“, wenn die Aktien abstürzen, wer will „global player“ sein in Zeiten der globalen Krise? „An ihrer Sprache sollt ihr sie erkennen“, heißt es. Dieselbe Modesprache, die einst von den Profiteuren der schönen neuen Wirtschaftswelt geprägt und gebraucht wurde, rückt in den Hintergrund, nicht, weil sie von vielen nicht verstanden wird, sondern weil sie von vielen nur allzu gut verstanden wird: als  Kainsmal der mutmaßlichen Verursacher des Debakels. 

„Die größten Krisenfirmen sind jene, die sich hinter dem Mantel des Englischen versteckt haben“, fügte Krämer in den „Sprachnachrichten“ des Vereins für Deutsche Sprache hinzu.

Die bittere Ironie an dieser Entwicklung ist, dass die Leidtragenden, das wieder anwachsende Heer der Arbeitslosen, für die Krise in aller Regel nicht verantwortlich sind – und ebenso wenig für die denglische Sprachmode, die ihr vorausging. Die einfachen Angestellten, die nun vor die Tür gesetzt werden, mussten passiv hinnehmen, dass ihre Arbeitsplätze zunehmend von englischen und pseudo-englischen Vokabeln geprägt wurden. Ob es die Leute nun störte oder sie sich geschmeichelt fühlten, wenn Vorarbeiter plötzlich zu „Managern“ wurden – die Anweisungen kamen stets von oben: von dort, wo auch die faulen Kredite vergeben und gehandelt wurden.

 Die zweite, kaum weniger bittere Ironie: Die Hauptkosten der Krise bleiben beim Staat hängen, gerade jener Institution, die nicht nur vorsichtiger mit englischen Modebegriffen war, sondern im Gegenteil lange noch an längst weltfremd gewordenen Germanismen wie „Fernsprecher“ statt Telefon festhielt, in einer Zeit, als bereits der Pseudo-Anglizismus „Handy“ seinen Siegeszug antrat.                                                   

Es bleibt die Frage, ob die neue deutsche Welle, über die sich Denglisch-Gegner wie Krämer nun freuen können, länger anhält als die Wirtschaftskrise.         

Das Handy wird sich vermutlich halten. Der Begriff ist nämlich wirklich „handy“ (englisch für „handlich“), d. h. kurz, eindeutig und mittlerweile allgemein verständlich. Auf „People Excellence“ und den ein oder anderen „Key Accountant Manager“ hingegen werden wir wohl verzichten müssen. Kein Wunder, wenn so viele exzellente Mitarbeiter entlassen werden und so mancher Hauptkunde wegen Insolvenz wegbricht. Es wären schönere Anlässe für den Teilrückzug des Business-Denglisch möglich gewesen.  

 
dm


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